Familien in der gesetzlichen Krankenversicherung im Nachteil?

Lange Zeit war eines der Hauptargumente gegen die private Krankenversicherung der Familienlastenausgleich der gesetzlichen Krankenversicherung. Eine Studie, die den Nutzen der GKV für Familien untersucht hat, lässt dieses Argument jedoch zweifelhaft erscheinen.

Ein gängiges Entscheidungskriterium zwischen gesetzlicher Krankenkasse und privater Krankenversicherung ist häufig der Familienstand. Während Kinder und Partner in der privaten Krankenversicherung zusätzlich versichert werden müssen, können sie in der GKV kostenlos mitversichert werden. Dennoch weisen Daten darauf hin, dass Familien in der GKV nicht entlastet werden.

Familien als Nettozahler?

Die GKV bietet über die beitragsfreie Mitversicherung die Möglichkeit, Kinder und nicht erwerbstätige Ehepartner ohne zusätzliche Kosten mitzuversichern. Die private Krankenversicherung bietet diese Option nicht und gilt deswegen als nachteilhaft für (größere) Familien. Allerdings belegt eine Studie von Gesundheitsökonom Dr. Frank Niehaus, Leiter des Wissenschaftlichen Instituts der Privaten Krankenversicherung (WIP), dass Familien längst mehr zur gesetzlichen Krankenversicherung beitragen, als sie den Kassen kosten.

Der Grund dafür ist die im Vergleich zur privaten Krankenversicherung fehlende Altersrückstellung. Die GKV ist darauf ausgelegt, dass aktuell Berufstätige nicht nur die eigenen Gesundheitskosten, sondern auch die der vorherigen und nachkommenden Generation trägt. Sie arbeitet also umlagefinanziert. Das bedeutet gleichzeitig, dass Kinder als „generativer Beitrag“ der Eltern gesehen werden können, da sie die Funktionsfähigkeit der GKV durch ihren Nachwuchs erhalten. Leider schlägt sich dieser Umstand bei der Versicherungsprämie nicht nieder.

GKV schlechter aufgestellt als private Krankenversicherung

Durch den demagogischen Wandel steigen jedoch die Gesundheitskosten an, da immer mehr Menschen alt werden und höhere Krankheitskosten verursachen. Da zugleich weniger Kinder geboren werden, stehen immer weniger Beitragszahler immer mehr Versicherten gegenüber, die durch die Krankenkassen versorgt werden müssen. Bei der privaten Krankenversicherung wird dieses Problem durch kapitalgedeckte Rückstellungen verringert.

Da die Beiträge im Gegensatz zur privaten Krankenversicherung prozentual vom Einkommen berechnet werden, reicht selbst für eine vierköpfige Familie ein Jahreseinkommen von 34. 000 € aus, um mehr Beiträge einzuzahlen, als Gesundheitskosten entstehen. Eine Ausnahme bildet dabei allerdings das Jahr der Geburt, da dann viele Gesundheitsleistungen in Anspruch genommen werden. Dass die meisten privaten Krankenversicherungen keine Schwangeren aufnehmen, spiegelt die hohen Kosten in diesem Zeitraum wieder. Zu jedem anderen Zeitpunkt übersteigen jedoch die Versicherungsprämien die Kosten. Der Überschuss kommt älteren Menschen zugute. Der Familienlastenausgleich hat sich also zu einem Rentnerausgleich umfunktioniert.

Private Krankenversicherung als faireres Zukunftsmodell?

Familien sind also genauso wie Kinderlose den „Nettozahlern“ zuzurechnen. Ein Argument für die private Krankenversicherung ist dies jedoch nicht unbedingt, da die Versicherungsprämien für alle Familienmitglieder hier dennoch deutlich über der GKV liegen können. Es ist jedoch sicherlich ein Argument für die finanzielle Struktur der privaten Krankenversicherungen, die wesentlich eher in der Lage ist, den demografischen Wandel zukünftig abzufedern.

Denn die Studie macht mehr als klar, dass die vorgebliche Familienfreundlichkeit der GKV als eines der Hautargumente gegen die privaten Krankenversicherungen nicht nur jetzt schon nicht mehr existent ist, sondern in Zukunft noch weniger vorhanden sein wird. Aufgrund des demografischen Wandels ist ein Anstieg der Versicherungsprämien der GKV nämlich nicht zu verhindern, während die private Krankenversicherung dieses Problem durch sinnvolles Haushalten und Rückstellungen zumindest mindern kann.

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