Gesetzliche und private Krankenversicherung – welche Unterschiede gibt es?

Die unterschiedlichen Krankenkassensystem sind unterschiedlich strukturiert. Daraus ergeben sich Unterschiede bei der Berechnung der Beträge und den Leistungen der jeweiligen Kassenform.

Beide Krankenkassenformen müssen gesetzliche Regelungen erfüllen. Während die gesetzlichen Krankenkassen nach dem Sozialgesetzbuch Fünfter Teil (SGB V) geregelt sind, ist für die PKV das Versicherungsvertrags- und Versicherungsaufsichtsgesetz (VVG und VVA) relevant. Das bedeutet, dass Klagen gegen gesetzliche Krankenkassen den Sozialgerichten zugewiesen sind, während Klagen gegen eine private Krankenversicherung an Zivilgerichten behandelt werden. Zudem haben privat Versicherte bei Meinungsverschiedenheiten die Möglichkeit, sich ohne Mehrkosten an den neutralen Ombudsmann oder die BaFin zu wenden.

Arbeitnehmer mit einem Einkommen unter der Jahresarbeitsentgeltgrenze sind gesetzlich dazu verpflichtet, Mitglied einer gesetzlichen Krankenkasse zu sein.

Einer der wichtigsten Unterschiede ist jedoch die beitragsfreie Mitversicherung und Familienangehörigen ohne eigenes Einkommen. Während die private Krankenversicherung für die meisten gesunden Alleinstehenden einen finanziellen Vorteil bei mehr Leistungen bedeutet, kehrt sich dieser Vorteil bei Familien um.

Unterschiede bei den Beiträgen

  • Die gesetzlichen Krankenkassen berechnen den Beitrag nach dem Prinzip der Bemessung nach Leistungsfähigkeit und orientieren sich dabei an dem Arbeitsentgelt. Die private Krankenversicherung berechnet die Versicherungsprämie nach dem individuellen Krankheitsrisiko. Das führt dazu, dass die Beiträge der gesetzlichen Versicherung automatisch mit dem Lohn sinken und steigen. Die private Krankenversicherung ändert sich durch medizinische Mehrkosten oder durch eine Überalterung der Versicherten, auch wenn dies durch den Rückstellungsbetrag vermieden werden soll.
  • Für die Aufnahme in eine private Krankenversicherung ist eine Risikoprüfung erforderlich, nach der sich die Versicherungsprämie berechnet.
  • Gesetzliche Krankenversicherungen wirtschaften mit dem Umlageprinzip, das bei einem fortschreitenden demografischen Wandel zu erheblichen Finanzierungsschwierigkeiten führen wird.
  • Ein Wechsel zwischen gesetzlichen Krankenkassen ist in der Regel problemlos möglich, während ein Wechsel der privaten Krankenkasse erhebliche finanzielle Nachteile mit sich bringen kann.
  • Die private Krankenversicherung wird nicht über Gesundheitsfonds oder ähnlichen Fördermitteln durch den Staat bezuschusst.
  • Die private Krankenversicherung lässt einen Teil ihres Überschusses an Mitglieder zurückfließen, die innerhalb eines bestimmten Zeitraumes keine oder nur geringe ärztliche Hilfe in Anspruch genommen haben.

 

Gesetzliche und private Krankenversicherung – Sind die Leistungsunterschiede tatsächlich so groß?

  • Alle Leistungen, die von GKV getragen werden, müssen „ausreichend, zweckmäßig und wirtschaftlich sein“. Das bedeutet, dass die Grundversorgung gewährleistet ist, mehr jedoch nicht von den gesetzlichen Krankenkassen getragen wird. Der Leistungskatalog der GKV wird wesentlich von den Richtlinien des Gemeinsamen Bundesausschusses und dem Sozialgesetzbuch bestimmt.
  • Die private Krankenversicherung muss den Leistungskatalog der Standard- oder Basistarife an den der gesetzlichen Kassen angleichen. Bei anderen Tarifen werden sämtliche Leistungen durch einen privatrechtlichen Vertrag garantiert.
  • Die Einflussnahme in den Leistungskatalog bei gesetzlichen Krankenversicherungen führt dazu, dass vor allem etablierte schulmedizinische Maßnahmen gefördert werden. Die private Krankenversicherung nimmt neuartige Behandlungsmöglichkeiten schneller in den Leistungskatalog auf, um sich gegenüber Konkurrenten abzugrenzen.
  • Die private Krankenversicherung deckt Krankengeld und Kurzuschüsse nicht ab. Hierfür müssen Zusatzversicherungen abgeschlossen werden.
  • Die private Krankenversicherung verzichtet häufig auf Zuzahlungen und bezuschusst nicht rezeptpflichtige Medikamente, Zahnbehandlungen und Sehhilfen in der Regel höher als die GKV. Je nach gewähltem Tarif kann dieser Vorteil jedoch auch wegfallen.

 

copyright by PrivateKrankenversicherung.AG

Teile mit deinen Freunden...facebooktwittergoogle