Krankenversicherung für Selbstständige – gesetzliche oder private Krankenversicherung?

Selbstständige und Freiberufler dürfen selbst entscheiden, ob sie eine gesetzliche oder private Krankenversicherung bevorzugen. Dabei haben beide Systeme unterschiedliche Vor- und Nachteile, die auch vom Verdienst des Selbstständigen abhängen.

Beiträge in der gesetzlichen Krankenkasse für Selbstständige

Im Gegensatz zur privaten Krankenversicherung wird die Versicherungsprämie in der gesetzlichen Krankenkasse abhängig vom Einkommen berechnet:

  • Existenzgründer, die die anfängliche Selbstständigkeit mit einem Gründungszuschuss finanzieren können, zahlen einen Mindestbetrag von 242,63 € monatlich.
  • Härtefälle, für die eine Bemessungsgrundlage von 1.382,50 € angenommen wird, zahlen ebenfalls diesen Betrag.
  • Für Selbstständige gilt die Steuererklärung aus dem letzten Jahr als Bemessungsgrundlage. Der Beitragssatz beträgt 14,90 % ohne Anspruch auf Krankengeld, bei Anspruch auf Krankengeld erhöht sich der Satz auf 15,5 %.
  • Bei einer Bemessungsgrundlage von monatlich 2.073,75 € brutto liegt der Betrag so bei 363,94 €.
  • Der Höchstbetrag liegt bei 710,78 € bei einer Bemessungsgrundlage von 4.050,00 €.
  • Wenn keine Einkommensnachweise eingereicht werden, gilt automatisch der Höchstsatz.

 

Den oben genannten Daten liegen die Werte von 2014 zugrunde.

Grundsätzlich werden Selbstständige ohne Anspruch auf Krankengeld versichert. Eine freiwillige Versicherung mit Krankengeld ist vor allem dann sinnvoll, wenn das Einkommen vollständig entfällt, wenn der Selbstständige arbeitsunfähig wird. Er erwirbt damit Anspruch auf Krankengeld ab dem 43. Tag.

Vorteile der gesetzlichen gegenüber der privaten Krankenversicherung für Selbstständige können die fehlende Gesundheitsprüfung und die Familienversicherung sein.

Private Krankenversicherung für Selbstständige

Im Gegensatz zur GKV berechnen sich die Beiträge für die private Krankenversicherung nicht nach dem Einkommen, sondern nach dem Versicherungsrisiko und dem Leistungskatalog des gewählten Tarifs. Das führt dazu, dass die private Krankenversicherung erheblich im Vorteil ist, wenn der Selbstständige:

  • Jung ist
  • Gesund ist
  • Keine Kinder hat
  • Ein vergleichsweise hohes Einkommen hat

Sind alle drei Eigenschaften erfüllt, ist eine private Krankenversicherung nicht nur finanziell die bessere Wahl, sondern überzeugt meistens durch mehr Leistungen. Wenn einzelne Bedingungen nicht zutreffen, ist das Einholen von Angeboten von privaten Krankenversicherungen sinnvoll.

Krankentagegeld für Selbstständige in der privaten Kranversicherung

In den meisten Basistarifen der privaten Krankenversicherungen ist kein Krankentagegeld vorgesehen. Allerdings bietet eigentlich jeder Versicherer an, dies über eine Zusatzversicherung abzudecken. Vorteil dabei ist zum einen, dass die Höhe des Krankentagegelds frei bestimmt werden kann. Noch wichtiger für viele Selbstständige ist allerdings, dass auch der Zeitpunkt des Zahlungsbeginns bei der privaten Krankenversicherung individuell vereinbart werden kann. So können Selbstständige auch vor dem 43. Tag Leistungen beziehen und ohne finanziellen Druck gesunden.

Was geschieht bei Arbeitslosigkeit mit der privaten Krankenversicherung?

Eines der größten Probleme bei der privaten Krankenversicherung für Selbstständige ist, dass Bezieher von Leistungen nach dem Sozialgesetzbuch nicht problemlos in die gesetzliche Krankenversicherung zurück wechseln müssen. Die sozialen Leistungen decken jedoch nur einen Zuschuss ab, der auf dem Niveau der GKV liegt und nicht ausreicht, um den alten Tarif seiner privaten Krankenversicherung zu decken. Erst wenn der Betroffene eine versicherungspflichtige Tätigkeit ausübt, ist der Weg in die GKV wieder offen – und dann finanziell meistens nicht mehr notwendig. Die private Krankenversicherung ermöglicht es jedoch, durch den Basistarif günstiger versichert zu sein und der Vertrag kann ebenfalls ruhen gelassen werden.

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