Risikozuschläge in der privaten Krankenversicherung

Risikozuschläge sind für viele Privatversicherte ein Ärgernis. Sie ermöglichen jedoch der privaten Krankenversicherung, wirtschaftlich zu arbeiten. Ein Risikozuschlag muss dabei nicht immer bestehen bleiben.

Warum gibt es den Risikozuschlag bei privaten Krankenversicherungen?

Chronische Erkrankungen führen zu mehr Behandlungskosten. Damit die private Krankenversicherung ihre Kosten tragen kann, muss der Versicherungsnehmer diese Behandlungskosten ausgleichen. Im Endeffekt ist der Risikozuschlag also nur fair.

Warum muss ich einen Risikozuschlag zahlen, obwohl meine Krankheit kaum Kosten verursacht?

Die privaten Krankenversicherungen kalkulieren beim Risikozuschlag auch die zukünftigen Mehrkosten der Behandlung ein. Ein Patient mit Pollenallergie mag beispielsweise derzeit nur Medikamente benötigen, deren Kosten weit unter dem Risikozuschlag sind. Heuschnupfen führt jedoch häufig zu Asthma, was wesentlich höhere Behandlungskosten hat. Die privaten Krankenversicherungen versuchen also, wahrscheinliche spätere Therapien von Beginn an über die Versicherungsprämie abzufangen.

Verfällt der Risikozuschlag irgendwann?

In einzelnen Fällen ist es tatsächlich möglich, dass der Risikozuschlag nicht mehr gerechtfertigt werden kann. Das ist vor allem bei ausgeheilten Erkrankungen der Fall. Wenn der Arzt das Ausheilen attestiert und das Risiko einer erneuten Erkrankung nicht höher als bei einem Durchschnittspatienten ist, können Patienten den Risikozuschlag durch ihre private Krankenversicherung prüfen lassen. Auch bei Fehldiagnosen kann eine erneute Überprüfung zu einer Streichung führen.

Soll ich zu einem Anbieter ohne Risikozuschlag wechseln?

Wie gesagt sind Risikozuschläge notwendig, um eine faire Versicherungsprämie nach dem jeweiligen Gesundheitszustand zu ermitteln. Private Krankenversicherungen, die Patienten ohne Risikozuschlag aufnehmen, arbeiten leider häufig nicht dauerhaft wirtschaftlich. Sie locken Neukunden hingegen mit niedrigen Anfangsprämien, die dann in der Folge stark ansteigen – einfach aus dem Grunde, dass Behandlungskosten von Risikopatienten finanziert werden müssen. Ein Vergleich der verschiedenen privaten Krankenversicherungen gibt Aufschluss darüber, ob eine bestimmte Erkrankung bei der Mehrzahl der Anbieter zu einem Risikoaufschlag führt – ist dies der Fall, sollte er akzeptiert werden.

Dürfen private Krankenversicherungen den Risikozuschlag bei Tarifwechsel erhöhen?

Grundsätzlich ist es privaten Krankenversicherungen erlaubt, eine neue Risikoprüfung bei einem Tarifwechsel durchzuführen und die Prämie dementsprechend anzugleichen. Vor allem bei Mehrleistungen ist eine erneute Gesundheitsprüfung unumgänglich. Es ist privaten Krankenversicherungen allerdings in drei Fällen nicht gestattet, einen Risikozuschlag bei Tarifwechsel zu erheben. Zum einen gilt dies für pauschale Risikozuschläge, die für jeden Versicherungsnehmer gelten, und zum anderen darf auch der Wechsel in den Basistarif nicht durch Risikozuschläge verteuert werden. Eine Ausnahme gilt zusätzlich für Beamte, die im Rahmen der Öffnungsklausel eine private Krankenversicherung abgeschlossen haben und bereits von hohen Risikozuschlägen betroffen sind. Für diese Gruppe darf der Zuschlag nämlich maximal 30 % betragen.

Welche Krankheiten verursachen einen Risikozuschlag?

Dies ist bei den verschiedenen privaten Krankenversicherungen unterschiedlich. Bei den meisten führen die folgenden Erkrankungen zu Risikoaufschlägen oder gar zur Nicht-Aufnahme:

  • Chronischer Erkrankungen
  • Laufende oder kürzlich abgeschlossene Psychotherapie
  • Kinderwunschbehandlung
  • Krebserkrankungen
  • Erkrankungen des Herz-Kreislaufsystems
  • Diabetes
  • Behinderungen

Je nach privater Krankenversicherung unterscheiden sich die Risikozuschläge jedoch deutlich. Manche Krankenkassen erheben bereits Zuschläge für leichtere Vorerkrankungen wie Heuschnupfen oder Übergewicht, andere Anbieter arbeiten hingegen mit erhöhten Risikozuschlägen.

Kann der Risikozuschlag erhöht werden?

Der Zuschlag kann von der privaten Krankenversicherung nicht willkürlich erhöht werden, nur weil der Versicherungsnehmer erkrankt. Möglich ist dies ausnahmslos nur vor dem Abschluss des Vertrags oder bei einem Tarifwechsel.

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