Sind sehr günstige private Krankenversicherungen empfehlenswert?

Immer mehr Anbieter locken mit besonders günstigen Tarifen, die teilweise sogar unter 60 € im Monat kosten. Ein verführerisches Angebot – doch lohnen sich solche günstigen Privatversicherungen wirklich?

Die entscheidende Frage dabei ist, ob die Grundversorgung bei solchen Tarifen gewährleistet ist. Die beste private Krankenversicherung ist nicht die günstigste, sondern die, die den eigenen Bedürfnissen am Besten gerecht wird. Deswegen ist der Leistungskatalog vor Vertragsabschluss immer genau zu prüfen.

Das Problem mit (zu) günstigen privaten Krankenversicherungen

Die Versicherungsprämien bei normalen privaten Krankenversicherungen sind nicht ohne Grund höher. Billige private Krankenversicherungen bieten nur einen sehr stark reduzierten Leistungsumfang, der größtenteils weit unter der gesetzlichen Krankenversicherung liegt.

  • Psychotherapie, stationäre Behandlungen und Zahnersatz werden deutlich weniger bezuschusst oder fallen sogar ganz aus dem Leistungskatalog. Ähnliches gilt für Hilfsmittel wie Hörgeräte oder Rollstühle.
  • Ein Nachteil bei sehr günstigen privaten Krankenversicherungen kann sein, dass die Gebührensätze von Ärzten gedeckelt sind, was sonst bei privaten Krankenkassen sehr unüblich ist.
  • Manche Versicherungsanbieter sparen beim Rückstellungsbetrag und ermöglichen so eine Kostensenkung, die im Alter teuer werden kann.
  • Die freie Arztwahl entfällt bei vielen günstigen Krankenkassentarifen, sodass Versicherungsnehmer erst ihren Hausarzt aufsuchen müssen, bevor sie von einem Facharzt untersucht werden dürfen.

Tarife mit Selbstbeteiligung

Auch bei privaten Krankenversicherungen mit hoher Selbstbeteiligung ist Vorsicht geboten. Mehr als 1.000 € Selbstbehalt sind in keinem Fall empfehlenswert. Wer versucht, durch höhere Selbstbeteiligung Geld zu sparen, ist häufig auch nicht in der Lage, seine Krankheitskosten selbst zu tragen – und genau dieser Effekt entsteht, wenn der Selbstbehalt 1.000 € übersteigt. Die private Krankenversicherung übernimmt nur dann die Kosten, wenn die Grenze überschritten wird, vorher kann der Versicherungsnehmer nicht mit finanzieller Unterstützung rechnen.

Eine hohe Selbstbeteiligung bei der privaten Krankenversicherung ist nur dann lohnenswert, wenn der Versicherungsnehmer dauerhaft gesund bleibt. Zugleich resultiert die Entscheidung für eine bestimmte private Krankenversicherung jedoch im besten Falle in einer lebenslangen Verbindung. Wer später aufgrund der geringen Leistung der Krankenkasse oder weil er den Selbstbehalt nicht mehr aufbringen kann, den Anbieter wechseln möchte, bezahlt dies mit weit höheren Beiträgen.

Steuervorteil nicht überschätzen: Viele Vermittler von privaten Krankenversicherungen versuchen die Selbstbeteiligung schön zu reden, indem sie die steuerliche Absetzbarkeit erwähnen. Diese ist auch durchaus vorhanden, greift jedoch erst dann, wenn die Krankheitsausgaben bis zu 7 % des Einkommens überschreiten.

Für wen lohnen sich günstige private Krankenversicherungen?

Wenn die Leistungen zu eingeschränkt sind oder die Selbstbeteiligung zu hoch sind, lohnen sich derartige günstige Versicherungstarife für niemanden. Wer die Prämie für eine herkömmliche private Krankenversicherung nicht bezahlen kann, hat häufig die Gelegenheit, die GKV in Anspruch zu nehmen und sollte diese Alternative in jedem Fall vorziehen.

Bei der privaten Krankenversicherung ohne Risiko sparen

Wer unbedingt einen günstigen Tarif sucht, sollte bei der Wahl seiner privaten Krankenversicherung darauf achten, welche Bedingungen bei der Rückerstattung herrschen. Auf diese Weise können Versicherungsnehmer sparen, wenn sie bei guter Gesundheit sind, ohne Einschränkungen bei den Leistungen im Krankheitsfall oder Alter hinnehmen zu müssen.

Die Versicherten können selbst entscheiden, ob sie Rechnungen gegen Jahresende bei ihrer privaten Krankenversicherung einreichen wollen, oder nicht und so von der Prämienrückerstattung profitieren wollen.

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